Trump-krise entschärft: ölpreise steigen, während washington zögert
Die Märkte haben in einer überraschenden Wendung die jüngsten Eskalationen der Trump-Handelskriegs-Politik im April 2025 abgemildert. Ein plötzlicher Anstieg der US-Staatsanleihen rendite hat die US-Regierung in die Knie gezwungen, was zu einer vorübergehenden Aussetzung der umstrittenen Zölle führte. Doch während die Märkte kurzzeitig Erleichterung fanden, deutet ein anderes geopolitisches Problem – der Konflikt mit dem Iran – auf eine weitaus komplexere Situation hin.
Die wahl als bremsklotz: wie die midterms trump beeinflussen
Anders als bei früheren Eskalationen scheint die anhaltende Iran-Krise Trump in seiner Entscheidungsfindung einzuschränken. Die bevorstehenden Midterm-Wahlen im November, bei denen es um die Kontrolle von Kongress und Senat geht, sorgen für eine spürbare Zurückhaltung in der Politik. Die Republikaner scheinen dem Wunsch nach einem schnellen und einfachen Sieg skeptisch gegenüberzustehen, da sie eine mögliche Wahlniederlage fürchten. Trump selbst hat zwar ambivalent geäußert, ob er bereit sei, einen langen Krieg zu führen, doch die Realität sieht anders aus.
Die überraschende Antwort liegt in den Produktions- und Exportzahlen von Öl und Gas. Die USA haben sich in den letzten Jahren zu einem globalen energie-Kraftwerk entwickelt, und diese strategische Position verleiht Trump eine unerwartete Flexibilität. Die Inbesitznahme von venezolanischen Ölfeldern und die Anerkennung von Delcy Rodríguez als Präsidentin Venezuelas haben die US-amerikanische Energieunabhängigkeit weiter gestärkt.
Die Verwirrung der letzten 24 Stunden, in denen Trump zwischen der Akzeptanz steigender Ölpreise, der Androhung eines Plans zur Preissenkung und der Prüfung einer Aufhebung der Sanktionen gegen Russland im Ölhandel mit Indien schwankte, spiegelt die chaotische Natur seiner Entscheidungsfindung wider. Während der Henry Hub, die US-amerikanische Gaspreisreferenz, relativ stabil bleibt, sind die Gaspreise in Europa (TTF in den Niederlanden) förmlich explodiert – ein Resultat der komplexen Logistik des Flüssiggas-Transports.

Überangebot in den usa: ein strategischer vorteil
Die Ruhe, die Trump den US-Bürgern versichert, ist begründet in dem enormen Überangebot an energie, das die USA nun vorweisen können. Nach der Umwandlung Venezuelas in einen Satellitenstaat und der damit einhergehenden Erschließung der venezolanischen Ölreserven können die US-Raffinerien mit schwerem Rohöl versorgt werden, während gleichzeitig leichtes Öl nach Europa und Asien exportiert wird. Die USA sind mit 13,6 Millionen Barrel pro Tag der weltweit größte Ölproduzent, importieren zusätzlich 8 Millionen Barrel und exportieren netto 10 Millionen Barrel – mehr als Russland und Saudi-Arabien zusammen.
Auch im Gasbereich sind die USA führend: Mit einer jährlichen Produktion von 1.113 Milliarden Kubikmetern doppelt sie die russische Produktion und machen mit einem Nettoexportanteil von rund 25 % eine Schlüsselrolle im globalen Gasmarkt wahr. Ein Bericht des Energieministeriums aus dem Juni 2025 unterstreicht, dass die USA im Falle eines Konflikts im Golfgebiet am wenigsten betroffen wären, während Asien am stärksten zu leiden hätte. Die Märkte stehen vor neuen Risiken, da eine anhaltende Auseinandersetzung mit dem Iran eine Verlagerung hin zu defensiveren Anlagestrategien erzwingen könnte.