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Ki-boom im code: produktivität bleibt im niemandsland

Die künstliche Intelligenz (KI) soll Programmierer entlasten. Doch statt Effizienzgewinn droht ein unerwarteter Zeitdruck. Eine aktuelle Studie zeigt: Die Nutzung von KI in der Softwareentwicklung führt nicht zwangsläufig zu schnelleren Ergebnissen, sondern kann die Arbeitsbelastung sogar erhöhen.

Ki-hilfe – fluch oder segen für entwickler?

Ki-hilfe – fluch oder segen für entwickler?

Laut einer Umfrage des Google-Research-Teams DORA nutzen 90 Prozent der befragten Technologieexperten KI im Arbeitsalltag. Über 80 Prozent berichten von einer Produktivitätssteigerung – so zumindest die Ergebnisse einer Studie im Scientific American. Doch die Realität sieht komplexer aus.

KI kann repetitive Aufgaben automatisieren und Code für Webanwendungen, Mobile Apps und Datenmanagement generieren. Sie ermöglicht sogar Fachleuten ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Dieser vermeintliche Zeitgewinn hat jedoch einen Schattenseiten: Mitarbeiter arbeiten länger, erledigen mehr Aufgaben und erleben einen erhöhten Stresspegel.

Eine Analyse des Harvard Business Review, durchgeführt von Forschern der Haas School of Business der University of Berkeley, zeigt: Nach der Einführung von KI-Tools nahmen die Arbeitszeiten und die Anzahl der erledigten Aufgaben in einem US-amerikanischen Technologieunternehmen deutlich zu. Mitarbeiter fühlten sich unter Druck, mehr zu leisten, und arbeiteten auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten.

Lauren Peate, Gründerin und CEO der neuseeländischen Firma Multitudes, beobachtete einen Anstieg der Überstunden um ganze 19,6 Prozent. „Die Leute fühlten sich unter zusätzlichem Druck, mehr zu schaffen“, so Peate. Dieses Phänomen führt laut Studie zu einer zunehmenden Erschöpfung der Mitarbeiter.

Die KI liefert zwar Code, doch die Ergebnisse sind nicht immer fehlerfrei. Entwickler müssen die Ergebnisse prüfen, anpassen und weiterentwickeln – eine Aufgabe, die Zeit in Anspruch nimmt. Zudem müssen sie sicherstellen, dass der generierte Code den Standards der jeweiligen Organisation entspricht. Die KI ersetzt den Entwickler nicht, sie verändert seine Arbeit.

OpenAI, der Entwickler von Codex, einer KI-gestützten Programmierplattform, hat die Technologie bereits für Windows-Entwickler zugänglich gemacht. Trotz des Potenzials zur Automatisierung und Effizienzsteigerung ist die KI-Nutzung in der Praxis mit einer zusätzlichen Arbeitsbelastung verbunden. Eine Entwicklung, die Unternehmen offenbar nicht ausreichend berücksichtigt haben.

Die Studie des Harvard Business Review empfiehlt, klare Richtlinien und Standards für den Einsatz von KI zu entwickeln, um eine Überlastung der Mitarbeiter zu vermeiden. Sonst wird die versprochene Revolution in der Softwareentwicklung schnell zur neuen Belastung.

Die KI-gestützte Programmierung ist gekommen, um zu bleiben. Aber die Zunahme der Arbeitsbelastung zeigt: Der digitale Fortschritt ist nicht immer ein Fortschritt für das Wohlbefinden der Menschen.