EU verschärft KI-Kennzeichnung: Riesiges Loch in der Gesetzgebung droht
Die Europäische Union hat zwar bereits Richtlinien für die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten erlassen, doch ein massives Regelungslücke birgt erhebliche Risiken. Die neuen Vorgaben, die ab dem 2. August in Kraft treten, schreiben vor, dass Inhalte, die als realistisch getarnt präsentiert werden, eindeutig als solche gekennzeichnet werden müssen.
Schlüsselpunkt: „Aussehen soll realistisch sein“ – Interpretationsspielraum bleibt
Das Problem: Der Begriff „aussehen soll realistisch sein“ ist notorisch vage. Was genau darunter zu verstehen ist, bleibt offen und schafft Raum für unterschiedliche Interpretationen. Persönliche Inhalte, satirische Werke oder künstlerisch entworfene Inhalte sind von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen – was die Durchsetzung zusätzlich erschwert.
Wie der Parlamentsabgeordneter Sergey Lagodinsky betonte, geht es um den Schutz der Demokratie und die Authentizität von Informationen. Die EU-KI-Verordnung, die bereits im März 2024 vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde, zielt darauf ab, Verbraucher zu schützen und die Glaubwürdigkeit von Fakten im Internet zu gewährleisten. Die Verordnung sieht für Verstöße bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens vor – eine massive Strafe, die Unternehmen wie Apple, Google und Samsung betrifft.

TikTok und Google setzen bereits auf Kennzeichnung
TikTok hat bereits eigene Richtlinien für die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten implementiert. Auch Google setzt auf das Tool SynthID, das bis dato über 100 Milliarden Bilder und 60.000 Jahre an Audio analysiert hat. Trotz dieser Bemühungen durchliefen KI-generierte Bilder und Videos weiterhin Lücken. Die neue EU-Richtlinie soll Unternehmen dazu zwingen, strengere Maßnahmen zu ergreifen, um finanzielle Konsequenzen zu vermeiden.
Die Frist für die Einhaltung der neuen Regeln gilt für neue KI-Systeme. Bestehende Systeme haben noch vier Monate Zeit, sich anzupassen. Die Regelung gilt für Unternehmen, die in Europa tätig sind – eine Änderung in den USA oder anderen Ländern ist derzeit nicht zu erwarten. Udo Meyer, Technologie-Experte, kommentiert: „Dieses Regelungslücke ist ein gravierender Fehler, der die Glaubwürdigkeit der KI-Technologie untergräbt und das Vertrauen der Verbraucher gefährdet.“