China voran – technologie als bequemlichkeits- und privatsucht

Shenzhen – Die Reise nach china, immer wieder, hinterlässt ein ähnliches Gefühl der Überraschung: Hier scheint die technologische Entwicklung schneller voranzuschreiten, als es menschlich erscheint. Bei meinem jüngsten Besuch in Shenzhen stellt sich die Frage, ob wir Fortschritt mit Trägheit verwechseln.

Ein wettlauf gegen die gewohnheit – und die privatsphäre

Ein wettlauf gegen die gewohnheit – und die privatsphäre

Als Technikexperte reise ich durch die Welt, und gerade der Kontrast zwischen den Orten, die ich besuche, liefert immer die interessantesten Erkenntnisse. Während in den USA der Fokus oft auf etablierten Giganten und deren Weiterentwicklung liegt, scheint china eine ganz andere Dynamik zu haben. Es geht weniger um Revolutionen, sondern um die pragmatische Anwendung von Technologie in Bereichen, die bisher kaum berücksichtigt wurden. Das ist kein Abwerten der Errungenschaften der USA, sondern eine Beobachtung: Hier wird nicht nur überlegt, was möglich ist, sondern vor allem, wie es sofort umgesetzt werden kann.

Die Beispiele sind erschreckend aktuell. Der Einsatz autonomer Fahrzeuge in Shenzhen ist weit verbreitet, doch die Erfahrungen dort sind alles andere als ideal. Staus, technische Defekte und sogar Diebstähle von Gepäckzeugen zeigen, dass die Umsetzung noch lange nicht reif ist. Im Gegensatz dazu wird in china die Technologie in Bereichen wie Drohnenlieferungen und Überwachung mit einer Intensität eingesetzt, die in den USA kaum zu beobachten ist. Die Einführung der App „Wenn bist du tot?“, die den Gesundheitszustand von alleinstehenden Menschen überprüft, ist ein trauriges Beispiel für die zunehmende Überwachung und die Bereitschaft, Privatsphäre für den vermeintlichen Komfort opfern.

Die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge in china ist hingegen enorm. Dank Alipay, der dominierenden Bezahlanwendung, können die Fahrzeuge einfach über die App bestellt und bezahlt werden. Ein kurzer Anruf, ein QR-Code und schon ist man mit einem Robotaxi unterwegs. Dabei muss man sich allerdings mit einem chinesischen Telefonnummer ausweisen, damit die Dienste überhaupt funktionieren. Ein Detail, das die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen in china verdeutlicht. Die Geschwindigkeit, mit der sich die chinesische Gesellschaft verändert, ist bemerkenswert.

Die Tendenz ist klar: China setzt auf pragmatische Lösungen und eine schnelle Umsetzung von Technologie. In den USA hingegen scheinen die Innovationen oft von Skepsis und regulatorischen Hürden ausgebremst zu werden. Es ist ironisch, dass die Politik international die USA als den Motor der technologischen Zukunft betrachtet. Doch die Realität zeigt, dass China bereits heute eine andere Spielklasse erreicht hat. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind enorm, und die Bereitschaft, neue Technologien zu testen und einzusetzen, ist bemerkenswert. Die Entscheidung, einen menschlichen Arbeiter nicht mehr entlassen zu können, nur weil eine KI billiger ist, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass hier nicht nur Effizienz, sondern auch soziale Fragen im Fokus stehen. Die Frage ist nicht, wo die Zukunft liegt, sondern wie schnell China sie erreicht.